John Lennon soll gesagt haben: „Leben ist das, was passiert, während wir eifrig andere Pläne schmieden“. Wie wahr. Jeder von uns kennt sicher solche Situationen: Wir planen eine Sache bis ins kleinste Detail, erstellen To-do-Listen und Zeitpläne… – und dann kommt alles ganz anders. Weil auf dem Weg zum Ziel etwas passiert, mit dem wir nicht gerechnet haben.

An ein solches Erlebnis erinnere ich mich bis heute. Ich war an einem Sonntag auf der Rückfahrt von Italien – in der Nähe von Florenz – nach München. Aufgrund eines schweren Verkehrsunfalles war die Autobahn gesperrt und ich musste die Landstraße nehmen. Ein Navi hatte ich damals nicht, sondern nur einen völlig veralteten Faltplan, auf dem ich die richtige Strecke nur erahnen konnte. Also fuhr ich erst einmal Richtung Norden in der Hoffnung, irgendwann wieder auf die Autobahn abbiegen zu können. Denn mein Plan war, noch am frühen Abend in München zu sein.

Allmählich wurde es dämmrig und es begann zu regnen. Die Autobahn war immer noch gesperrt. Richtung Norden fuhr ich zwar immer noch, doch ich hatte die tatsächliche Orientierung verloren. Als es fast schon dunkel war, sah ich ein Autobahnschild Richtung Mailand. Immerhin wusste ich nun wieder, wo ich war. Doch mein Plan, die richtige Ausfahrt Richtung Deutschland nicht zu verpassen, misslang. Denn als dieses Schild zu sehen war, befand ich mich ganz links auf der Autobahn, umgeben von ziemlich viel Verkehr und ohne Chance, rechtzeitig rechts abzubiegen. So blieb mir nichts anderes übrig, als nach Mailand hinein zu fahren.

Wer schon einmal in einer italienischen Großstadt mit dem Auto gefahren ist, weiß, dass die Verkehrsbeschilderung gewöhnungsbedürftig ist. Zumindest dann, wenn man nicht so oft in Italien herumfährt und es außerdem schon dunkel ist. Nach einigen Irrwegen, und fast eine Stunde später, befand ich mich dann doch auf dem Weg Richtung Comer See – und somit wieder näher zum eigentlichen Ziel. Inzwischen war es allerdings schon recht spät abends geworden, so dass ich keine Lust mehr hatte, tatsächlich noch direkt nach München zu fahren.

In einem kleinen Ort am Comer See entdeckte ich dann eine alte Villa direkt am See, die ein Hotel war. Und welch eine Freude, es gab noch ein freies Zimmer, welches sogar preislich sehr günstig war. Leider gab es nichts mehr zu essen, denn die Küche war längst geschlossen. Doch es gab einen freundlichen Nachtportier mit Improvisationstalent. Kurzerhand holte er aus der Küche ein Tablett mit Käse, Schinken, Weißbrot und Rotwein. Wir setzten uns in den menschenleeren Speisesaal und er erzählte mir, dass er beruflich alte Bilder und Gebäude fotografiert und den Job im Hotel zusätzlich macht, weil er in seinem eigentlichen Beruf zu wenig verdient. Später kam noch sein Cousin dazu, der neben seinem Hauptberuf auch noch einen Nebenjob im Hotel hatte. In ungefähr zwei Stunden hatte ich bereits viele Anekdoten über die italienische Großfamilie, aus der beide kamen, erfahren. Das einfache Abendmahl war köstlich, die Unterhaltung witzig, und die Atmosphäre im leeren und halbdunklen Speisesaal interessant.

Am nächsten Morgen, bei Tageslicht, sah ich dann, welch schönes Zimmer ich bekommen hatte: mit direktem Ausblick auf den Comer See. Mein Frühstück auf der Terrasse am See war ein wunderbarer Start in den Tag, und der Tagesportier konnte mir anschließend auch den direkten Weg zur Autobahn Richtung München beschreiben. Im strahlenden Sonnenschein fuhr ich nun nachhause. Einen Tag später als geplant, dafür jedoch mit Erlebnissen, die ich niemals gehabt hätte, wäre alles nach Plan verlaufen.

Vielleicht sollte das Leben einfach öfter mal unsere Pläne durchkreuzen, damit wir mehr (er)leben? Oder vielleicht sollten auch wir selbst öfter die Chance auf etwas Neues ergreifen. Nicht nur dann, wenn es greifbar vor uns liegt – sondern vor allem dann, wenn es scheinbar verrückt ist!

So, wie zum Beispiel die Hamburger Journalistin Meike Winnemuth. Sie gewann 2010 in der Sendung „Wer wird Millionär“ bei Günther Jauch 500.000 Euro. Im Jahr 2011 erfüllte sie sich damit einen Traum: sie bereiste weltweit 12 Städte in 12 Monaten, um dort vor allem die Menschen und ihr Leben kennen zu lernen. Was sie auf diesen Reisen erlebt hat, beschreibt sie sehr inspirierend in ihrem Blog: http://www.vormirdiewelt.de

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